Link-Kultur
Dies ist mein Beitrag zur Blog-Parade von BLÖGGER zum Thema „Link-Kultur” und der Frage, warum es immer weniger Verlinkungen unter Bloggern gibt.
Eines voran: Ich höre diese These zum ersten Mal und hätte mir – wenn wir schon beim Thema sind – im Ausgangsartikel durchaus Links zu Beiträgen und Statistiken gewünscht, die diese untermauern können. Rein subjektiv kann ich nämlich nicht bestätigen, dass die Kultur des Verlinkens unter Bloggern abgenommen hat, vielmehr hat sich die Kultur des Bloggens selbst verändert.
Früher war das Blog zentraler Knotenpunkt seines Autors. Alles was gefiel (oder eben nicht) wurde von ihm darauf veröffentlicht, verbreitet oder kommentiert. Umgekehrt war es auch die einzige Anlaufstelle für interessierte Leser. Auftritt Microblogging. Plattformen wie Twitter und Facebook sowie Tumblelogs à la Soup, Posterous oder Tumblr haben zu einer Dezentralisierung des Informationsflusses zwischen Autor und Leserschaft geführt. Das Blog stellt nun nicht mehr den einzigen Kommunikationskanal des Autors dar, sondern einen von mehreren. Vielen Themen, vor allem wenn es um die Verbreitung von Fremd-Information geht, werden keine klassischen Blogartikel mehr gewidmet, sondern – im Fall von Twitter – „nur noch” 140 Zeichen – inklusive Links. Umgekehrt bedeutet dies für Interessierte, dass sie den Aussagen des Autors nun über mehrere Wege lauschen können.
Die Quantität der Beiträge in vielen Blogs ist meinem Eindruck nach dadurch tatsächlich gesunken. Diese Schlankheitskur hat allerdings bei einer Vielzahl meiner abonnierten Blogs zu einer Qualitätssteigerung geführt. Wenn schon gebloggt wird, dann richtig. Und dabei wäre mir eine Verlinkungsfaulheit nicht aufgefallen, sogar eher das Gegenteil.
Warum aber überhaupt die Sorge um zu wenig Verlinkungen?
Links sind die Synapsen des Webs
Kommt ein Mensch auf die Welt, so fasst sein Gehirn zwar Unmengen von Neuronen, allerdings gibt es noch kaum Verbindungen, also Synapsen, zwischen ihnen. Bei jeder neuen Erfahrung, jeder neuen Erkenntnis werden frische Synapsen gebildet, bis man als Erwachsener ungefähr 100 Billionen (!) sein eigen nennen darf.
Nichts anderes sind Hyperlinks. Sie verbinden Wissen, Erfahrungen, Erkenntnisse, bieten weiterführende Daten, Erklärungen, Informationsquellen und lassen Zusammenhänge erkennen. Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war so viel Wissen so vielen Menschen zugänglich.
WolframAlpha schätzt, dass das World Wide Web im April letzten Jahres über 230 Millionen Websites umfasste. Ohne Verbindungen zwischen ihnen wäre jede einzelne wertlos.

Bild: (cc) by-nc flickr/razorsmile
Update:
Hier sind die gesammelten Beiträge der Blog-Parade:
- Hannes Offenbacher: Bitte verlinken sie diesen Beitrag in ihrem Blog
- Kurt Schwab: Linkkultur
- Dominik Leitner: Zeig mir deine Links, und ich sag dir…
- Heinz Peter Wallner: Ist Bloggen eine Kunst? Ein Beitrag zur Linkkultur
- Susanne Mandl: Die Link-Kultur lebt. Sie wohnt nur woanders.
- Frank Hübner: Moderne Linkkultur
- Wolfgang Tonninger: Lasst uns nicht allein!
- Martin Prechelmacher: To link or not to link…
- Daniel Imrich: Ein paar Gedanken zum Thema Links
- Marcus Ambrosch: Qualität & Wertschätzung virtueller Wissensarbeit
- Robert Lender: Blog Parade Linkkultur
- Richard Haderer: Brauchst du Link?
- Winfried Huber: Links, Zwo, Drei, Vier
- Anabella Lamprecht: Von einer Link Kultur zu Datawell
- Andreas Lindinger: Frage zum Sonntag: Worunter leidet die Linkkultur in (grünen) Politikblogs?
- Teresa Hammerl: freedom of opinion
- Martin Sauer: Rettet die Trackbacks!
- Ilda Osmancevic: Die Ära der Linkkulturbanausen?
- Meral Akin-Hecke: Blogtail & Blogparade zur Linkkultur
- Michaela Ambos: Das langsame Verschwinden der Verlinkungen
- Armin Soyka: Mit 100.000 Klicks jemand werden
- Stefan Mey: Where have all the Bloggers gone?
- Manuel Gruber: Ey Mann, wo sind die Links?
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