Anatomie eines kleinen Protestes
Vor einem halben Jahr suchte die ÖVP mit großem Getöse „den Superpraktikanten”. Gefunden hat sie anfangs aber hauptsächlich ÖVP-kritische Bewerbungen und solche, die sich über die ganze Aktion lustig machten. Pünktlich zum Finale wurden diese allerdings stimmenmäßig von parteinäheren Personen überholt, bis schließlich Vizekanzler Josef Pröll eine glückliche Gewinnerin in die Kamera halten durfte.
Nicht nur die ominöse Stimmvermehrung stand in der Kritik, sondern auch, dass die Regierungspartei damit unbezahlte Volontariate in einer für Jugendliche ohnehin schwierigen Wirtschaftslage bewerbe (Quelle: ots.at). Auf einen weiteren Kritikpunkt wurde ich durch folgende Tweets aufmerksam gemacht:
Davon angeregt, stellte ich fest, dass es die Partei nicht einmal der Mühe wert gefunden hatte, die Domain superpraktikantin.at zu registrieren. Ein paar Mausklicks später gehörte sie mir und die Idee für einen kleinen Protest ward geboren.
Schnell wurde ein Layout so nah wie möglich am Original entworfen, der §9 des Gleichbehandlungsgesetzes zitiert und einfachste Möglichkeiten zur Verbreitung über Twitter und Facebook hinzugefügt. Auch ein Facebook-optimiertes Vorschaubild durfte nicht fehlen.
Kurze Zeit später war alles zusammengefügt, ich konnte meinen kleinen Protest also starten und gleichzeitig damit auch ein Experiment: Wieviele Besuche würde ich generieren, wenn ich als Bewerbung nur jeweils eine einzige Nachricht mit Link über Twitter und Facebook absetze?
Auswertung
| Gesamt* | Erste 24h | |
|---|---|---|
| Eindeutige Besuche | 7.600 | 1.500 (20%) |
| Seitenansichten | 11.000 | 2.200 (20%) |
| Retweets** | 90 | 65 (72%) |
| Facebook Posts | 485 | 65 (13%) |
* Stand: 19.05.2010
** Retweets über TweetMeme.com. Es gab noch einige zusätzliche Verlinkungen über Twitter, die aber offenbar von TweetMeme nicht mitgerechnet wurden und hier auch nicht ausgewiesen sind.
In den ersten 24 Stunden kamen 1.500 Leute auf die Seite, das ist ein Fünftel aller Besuche bis zum heutigen Tag. Circa 9% davon verbreiteten die Seite weiter und während anfangs dafür Twitter und Facebook gleichermaßen eingesetzt wurden, erwies sich Facebook auf Dauer als wesentlich effektiver.
Beim Suchwort „Superpraktikantin” wird die Seite bei Google mittlerweile an zweiter Stelle, gleich unter dem Original angezeigt. Dies ist auch die Quelle der meisten aktuellen Besuche.
Die Zugriffstatistik zeigt deutlich, dass die Protestaktion hauptsächlich von den initialen Verteilerinnen und Verteilern getragen wurde.

Die zweite große Welle kam über einen Artikel im Online-Standard, der am 11. November – kurz nachdem ich (völlig unvorbereitet) der freundlichen Dame von der APA ein Kurzinterview gab – erschien. Eine Galerie auf diePresse.com war die letzte größere Quelle, bevor der Zugriffsstrom abebbte und sich (bis heute) bei einer handvoll Besuche pro Tag einpendelte.
Gemessen am Aufwand und den vielen positiven Rückmeldungen, wofür ich mich ganz artig bedanken möchte, bewerte ich die Aktion sowohl im Sinne einer Protestaktion als auch einer Feldstudie als einen schönen Erfolg.
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